Stellungnahmen in Kürze:

Scheiner zählt zu den bemerkenswertesten neuen Stimmen der lokalen Dialekt-Liedermacherszene.

Wenn der Nino der Heller und der Sas der Danzer sein sollen, dann ist der Scheiner der Hirsch.

Scheiner schreibt karge, packende Songs über Isolation, inspiriert durch Marlen Haushofers Roman „Die Wand“.

„de waund“ wächst mit jedem Hören, dazu bekommt Scheiner vorübergehend den Wanderpokal für die beste wienerische Textzeile für „i schdee wia hiigschlazd auf da gossn“ aus „nowemba“.

Zwischen ruhigem Pop, etwas Country und viel gefühlten Blues mäandernd, stellt sich Scheiner mit "de waund" als eigenständiger Musiker vor, der Wien und seinen Dialekt nicht nur im Hirn, sondern vor allem im Herz lagert.

Der Stil des Wienerliedes - sarkastisch, melancholisch und textlich im Dialekt gehalten - kommt dem Entwurf einer entsprechend nach innen gerichteten Stimmung sehr entgegen. Diese könnte als tief traurig, schwer, schwarz und fast bitter bezeichnet werden.

Ein Songwriter mit der großen, glaubhaften Melancholie Haders, einem Gespür für Popsongs, keiner Angst vor Melodien, aber auch dem Mut, sie ein wenig „unfertig“, manchmal auch ein bissl „holprig“ zu lassen. Und mit „i geh ned miid“ ist Scheiner gleich bei seinem Debüt-Album ein Hit gelungen, der sich einst in die Liste der größten Songs mit gepfiffenem Refrain-Intro einreihen wird.



Stellungnahmen ausführlich:

Was haben (…) Scheiner (…) und seine CD de waund mit Marlen Haushofers Die Wand zu tun? 2012 erlebt Haushofers utopischer und feministischer "Endzeit"-Roman von 1963 eine blühende Renaissance, denn die gleichnamige Verfilmung von Julian Pölsler bringt auch den Originaltext selbst wieder einer breiteren Öffentlichkeit näher. Gleichwohl der Film ohne "klassische" Filmmusik auskommt, inspiriert der Stoff des Romans auch zur Komposition: Im November desselben Jahres erscheint Scheiners CD, eingespielt mit Karl Ritter (Gitarre) und Gerald Votava (Bass, Schlagzeug), unter dem Albumtitel de waund - unmissverständlich ein Brückenschlag zum literarischen Werk. Doch handelt es sich bei seinen Songs nicht um 1:1-Vertonungen oder anderweitige textliche Adaptionen: Der konkrete Text spielt keine Rolle. Vielmehr liegt hier eine thematische Annäherung und dessen Fort- und Umschreibung vor, für seine Zwecke angepasst.
Am offensichtlichsten ablesbar ist die Verbindung zu Haushofers Die Wand am gleichnamigen jedoch dialektalen Titel. Dieser ist Programm für das gesamte Repertoire der Debüt-CD: Die Themen Abgeschiedenheit und Isolation werden sowohl auf sozialer, emotionaler, räumlicher wie zeitlicher Ebene behandelt. So beschreiben die Texte etwa die Isolation der StädterInnen, die Abkapselung des Einzelnen gegenüber einem Ganzen oder die individuelle Isolation der Gefühlswelt. Der Stil des Wienerliedes - sarkastisch, melancholisch und textlich im Dialekt gehalten - kommt dem Entwurf einer entsprechend nach innen gerichteten Stimmung sehr entgegen. Diese könnte als tief traurig, schwer, schwarz und fast bitter bezeichnet werden. Scheiners "mundfauler" Gesangsstil - ganz authentisch, was den Dialekt betrifft - und unsauber angesungene Töne im Portamento-Stil, der so typisch für das Wienerlied ist, treiben das noch auf die Spitze. Trotzdem sind als akustisches Resultat keine klassischen Wienerlieder zu hören, die Verbindung zum Pop und Rock, zum Blues oder zur elegischen Klage erweitern das Genre, bringen Abwechslung und Progressivität ins Spiel. Und genau diese Elemente brechen die Schwärze wieder auf, etwas Positives durchzieht den ausweglosen Abgrund. Die resultierende Unentschlossenheit zwischen positiv und negativ-Bewertung der metaphorischen "Wände" Scheiners findet sich auch im Werk Haushofers. Die Protagonistin in Die Wand unterlässt, nachdem sie ihre fatale Situation erkennt, eine genaue Suche nach einem Ausgang oder Ausweg. Das ist auch - neben dem anfänglichen Verharren in einem Schockzustand als Erklärung dafür - als Bejahen der Situation interpretiert worden. Die Wand bietet auch Schutz, und die Frau lebt darin fernab einer patriarchalen Ordnung: "Auf jeden Fall war er [Anm.: der Jäger] körperlich stärker als ich, und ich wäre von ihm abhängig gewesen. Vielleicht würde er heute faul in der Hütte herumliegen und mich arbeiten schicken. Die Möglichkeit, Arbeit von sich abzuwälzen, muß für jeden Mann eine große Versuchung sein. Und warum sollte ein Mann, der keine Kritik zu befürchten hat, überhaupt noch arbeiten. Nein, es ist schon besser, wenn ich allein bin." - Wenngleich ihr ihre vorhergehende Erziehung in genau diesen Strukturen dann zum Verhängnis wird: "Was mir Sorgen macht, ist nur der Gedanke an die Tür. Mit größter Mühe werde ich es fertigbringen, die Tür auszubrechen, aber ich muß ja dann die Stalltür richtig einpassen, und ich glaube, das wird mir nicht gelingen. Jeden Abend im Bett denke ich über diese Tür nach, und ich könnte weinen, daß ich so ungeschickt und unfähig bin." Vergleichbare Ambivalenz ist wie gesagt auch bei Scheiner ein zentraler und tragender Bestandteil des textlichen und musikalischen Gewebes. Im Lied de waund schützt - im übertragenen Sinn - eine Wand die Gefühle einer verschlossenen Person, dennoch raubt sie auch Freiheit, grenzt ab, ist abweisend und lässt andere an dieser Wand scheitern, wenn es heißt "i moe kaane heazn meea aun deine waund" (ich male keine Herzen mehr an deine Wand). Das singende lyrische Ich gibt seine vormaligen Bemühungen, diesem Menschen näher zu kommen, und seine Liebe zu diesem auf. So unzugänglich die Person sich gebiert, so undurchsichtig und voller Leerstellen ist auch der Text: in einem eigenen Sinn geheimnisvoll, wie eine Chiffre, die wiederum nur die zweite Person zu entschlüsseln vermag. Eine reale zweite Stimme - die einer Frau - begleitet den Hauptpart im Refrain eine Quart, dann eine Terz höher: wieder charakteristisch für das Wienerlied und so, als würde die zweite Stimme sich nach oben entziehen. Mehrdeutig ist auch der Refrain: "wohin kumsd du, waun du kuumsd" (wohin kommst du, wenn du kommst) bedient sich einer Phrase, die schon im Mittelhochdeutschen für den Orgasmus steht und in ihrer Doppelung den unhinterfragten Sprachgebrauch sichtbar macht. Gleichzeitig wird auf die Komplexität menschlicher Beziehungen und die Schwierigkeit gegenseitigen Verständnisses als Folge der individuellen Körperlichkeit und geistigen Freiheit angespielt. on einer vergleichbaren Metapher - Isolation, Rückzug oder Gefangenschaft im Ich durch die Wand - gehen auch allgemeine Interpretationen des Haushofer'schen Romans aus, einer unhintergehbaren Körperlichkeit ausgesetzt. Doch Scheiner benennt konkret, was Haushofer offen lässt. Als adaptiertes thematisches Element aus Haushofers Die Wand könnte weiters die Verarbeitung der Determinante Natur gegenüber dem Menschen gesehen werden. Was bei Scheiner "i schof de schdood oo und de autobaun/i siz im baam und schau de kiaschn au" (ich schaffe die Stadt ab und die Autobahn/ich sitze im Baum und schau die Kirschen an) sarkastisch reflektiert wird, wird bei Haushofer zur Lebensbedrohung. Der schmale Grat zwischen Lebenserhaltung und Zerstörung durch die Natur wird hier in seiner fast gespenstisch hoffnungslosen Art vorgeführt, jedoch dort zu einer spielerischen aber sehnsuchtsvollen Daseins-Kritik aus sicherer Distanz.

Lydia Haider, Literaturhaus

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e ben a grantscheam / e ben a zwiidawuazn / e ben a schbaasfadeawa / e ben a uungustl fuan hean / owa e kau ned aundas / mia ged oes am oasch / es is mei goedans / heaz aus wean." Aus dem Wiener Dialekt übersetzt heißt das: Ich bin ein schlecht gelaunter, unguter Typ, ich hasse die Welt und schuld daran ist meine Herkunft: Wien. Wer da so singt heißt Scheiner (…) und zählt zu den bemerkenswertesten neuen Stimmen der lokalen Dialekt-Liedermacherszene. Sein Album "De Waund" ist vergangenen Herbst erschienen, allerdings nicht als spartanische Akustikklampferei, sondern als schön arrangiertes Stück Blues aus Wien.

Falter

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„wia ea mia am oasch geht“, gemeint ist der Mozart – ein wunderbarer Einstieg in ein Werk. (…) Scheiner (…) gibt mit „De Waund“ sein Debüt als Musiker. Scheiner singt in der Sprache seines Wohn-Bezirks Ottakring, in der Gemütslage Dunkelgrau. Ganz Wien. Trotzdem nicht Wienerlied. Auch Liedermacher klingt irgendwie „gschissn“, um in der Sprache zu bleiben, aber quasi in der Tradition. Scheiner lässt den „Grantscheam“ (ständig Übelgelaunter) raushängen. Das gelingt ihm formidabel, ohne dabei ins Derbe abzudriften. Sparsam, zeitgemäß instrumentiert reiht sich (…) Scheiner in eine gerade boomende Szene (Ernst Molden, Der Nino aus Wien, Raphael Sas) ein. Und wenn der Nino der Heller und der Sas der Danzer sein sollen, dann ist der Scheiner der Hirsch. Ottakringer-Blues, nicht von gestern, sondern ganz in der Zeit.

Mario Lang, Augustin

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Letzten November erschien das Album "De Waund". Als Interpret steht schlicht SCHEINER drauf.
Mit dem Albumtitel spielt (…) Scheiner auf den Roman "Die Wand" und die im Buch beschriebene Isolation an. Interessante und außergewöhnliche Themen (wie z.B. den Hass auf den "Mozad"; dass es November wird, wenn man im Juni die Uhr nicht aufzieht) wechseln sich mit sehr persönlichen Liedern ab. Auf jeden Fall sind die Texte der Lieder sehr eigenständig, auch wenn der wienerische Hang zum Dunkelgrauen nicht verleugnet werden kann. Das wird auch durch das CD-Booklet (mit allen Texten) unterstrichen, das auf Fotos verzichtet und in schwarz/weiß gehalten ist.
Aufnahme- und klangtechnisch hat man alles sehr einfach und rau gehalten: Der Schwerpunkt liegt auf dem Gesang und den akustischen Gitarren ((…) Scheiner und Karl Ritter), die von Gerald Votava (Bass und Schlagzeug) begleitet werden – manchmal sorgt ein Cello für eine zusätzliche Klangvariante. Das war es aber dann auch schon. Klingt oft sehr trocken, aber dadurch auf das Wesentliche konzentriert. m besten kommen die langsamen und die Midtempo-Nummern rüber ("Mozad", "I gee ned miid"), aber auch das etwas kräftiger und schneller gehaltene "Braunstaa" soll als Hörtipp erwähnt werden. Eine CD, die man sich mit Aufmerksamkeit anhören muss und bei der sich einem vielleicht nicht gleich bei ersten Anhören alles erschließt, aber dafür kann man sie öfter genießen und hat auch endlich wieder die Gelegenheit, Karl Ritter schön Gitarre spielen zu hören.

Franz Deckenbach, www.espressorosi.at

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(…) Einen lakonischeren Tonfall pflegt (…)
Scheiner. Wie Raphael Sas veröffentliche (…) Scheiner letzten Herbst sein CD-Debüt „de waund“ (Hoanzl). Der Bezug zu Marlen Haushofer ist – wie Scheiner auf seiner Website anmerkt – ein inhaltlicher: „Die dort gewählte Darstellung einer isolierenden Übermacht in Form einer unsichtbaren Wand zeigt nahe Verwandtschaft zur Situation des ordinären Wieners – die Ursachen der eigenen Misere mögen wohl erahnt, können jedoch nicht begriffen und schon gar nicht beseitigt werden.(…)“. Im ersten Song bekundet Scheiner seine unergründliche Abneigung gegen Mozart („mozad“), die er vermutlich auf die eine oder andere Art mit gar nicht Wenigen teilt. Die ersten Zeilen „Des is ka grinsn/ des is mei oat fon hoss“, vermitteln schon eine Ahnung davon, in welche Richtung sich „de waund“ entwickeln wird. In einer Mischung aus Gesang und Rezitativ grantelt sich Scheiner eher traurig gestimmt durch einen Teil der 13 Stücke. Dem gegenüber finden sich auch regelrecht zärtliche Songs wie „fia de feegl“, „bliiatn und bliian“ und „da beag“. Die treibende Kraft hinter der Produktion soll Gerald Votava gewesen sein, der auch Schlagzeug und Bass spielt. Einen außergewöhnlichen Gast hat sich der 36-Jährige für die zweite Gitarre angelacht: den überwältigende Akzente setzenden Karl Ritter, der in der Zeit als Mitglied der Chefpartie von Ostbahn-Kurti in Österreich seine größte Bekanntheit erlangte. Dabei ist der schlichte Rock der Chefpartie für den auch in experimentellen Gefilden beschlagenen Ritter kaum mehr als eine Fingerübung. Poetisch-fatalistisch gerät der Schlusssong „leiamann“ nach einem Text von Walter Müller und nach der Musik von Franz Schubert. „de waund“ wächst mit jedem Hören, dazu bekommt Scheiner vorübergehend den Wanderpokal für die beste wienerische Textzeile für „i schdee wia hiigschlazd auf da gossn“ aus „nowemba“.

musikaustria.at

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Zwischen Granteln und Raunzen fühlt sich nicht nur der Wiener aus dem Klischeebuch wohl - Singer/Songwriter (…) Scheiner wählte für sein Debütalbum "de waund" einen Roman als Unterlage für seine urösterreichische Themengebung. Vorgetragen im Wiener Dialekt.
Der Grant sei des Wieners liebster Gemütszustand, munkelt man nicht nur in den umliegenden österreichischen Bundesländern, sondern längst auch in der pulsierenden und oft doch so altbackenen Hauptstadt selbst. Nichts passt zudem so gut zu Wien und seinen Bewohnern wie das traditionelle Wienerlied. Gemütlich und humoristisch, aber auch satirisch und bisweilen sympathisch grantelnd. Und obwohl es nach dem Anschluss Österreichs 1938 verboten wurde, lag es in der Kraft der Sache, dass Künstler wie Ernst Molden, Roland Neuwirth oder Walther Soyka im Laufe der letzten Jahrzehnte für eine längst fällige Wiedergeburt sorgten.
In eine ähnliche Kerbe schlägt auch das Wiener Multitalent (…) Scheiner, das mit seinem Debütalbum "de waund" eine Großpackung an Wiener Lokalkolorit vertont hat. Bereits das Einstiegslied "mozad" beißt mit Textzeilen wie "i hoss den mozad, i bin fuachtboa noo draun, a bombm zum kaufm, und noch soezbuag zum fooan" jeden Patrioten und Heimatliebhaber mit Freude ins Wadl. Was wie eine Landesabrechnung im traditionellen Wiener Dialekt klingt, ist im Endeffekt aber nur eine schärfer formulierte Standortbestimmung, eine Kritik, die in den meisten Liedern mehr dem Besungenen selbst als dessen Heimat zu gelten scheint.
Die lyrischen Themen hanteln sich dabei durch verschiedene Alltagsgebiete, so propagiert Scheiner seine Liebe zum Landleben ("i gee ned miid"), erzählt über das schwierige Leben eines einfachen Hacklers ("braunschdaa"), besingt in verschiedenen Facetten das ewige Thema Liebe ("fia de feegl", "bliaatn und bliian", "ii wüü") und lässt urtypisch Wienerisches in das Album einfließen ("grantscheam"). Der Wiener Dialekt ist aber nicht der einzige rote Faden auf dem ruhig dosierten Singer/Songwriter- Album. Inhaltlich bezieht sich Scheiner auf Marlen Haushofers Roman "Die Wand", sodass man die breiten Themenfelder Isolation und Naturverbundenheit als Leitpunkte des Gesamtwerks erkennen kann.
Musikalisch bewegt sich Scheiner in akustisch- ruhigen Gewässern und verschafft den durchaus offensiven Texten damit einen beruhigenden Kontrapunkt. Mit Mitstreitern wie Gerald Votava (Bass, Schlagzeug, Aufnahme, Mischung), Karl Ritter (Gitarre) oder Christine Ransmayr (Cello) konnte der 35- Jährige auch eine profund aufspielende Mannschaft gestandener Musiker um sich scharen, die das elegische Songmaterial zusätzlich verfeinert. Zwischen ruhigem Pop, etwas Country und viel gefühlten Blues mäandernd, stellt sich Scheiner mit "de waund" als eigenständiger Musiker vor, der Wien und seinen Dialekt nicht nur im Hirn, sondern vor allem im Herz lagert. Man könnte sein Erstwerk auch als vertonte Poesie für die urbane Mittelschicht bezeichnen - und das verwandelt seine Songs dann doch wieder in sinngemäß korrekte Wienerlieder.

Robert Fröwein, krone.at

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(…) Scheiner schreibt karge, packende Songs über Isolation, inspiriert durch Marlen Haushofers Roman „Die Wand“. Karl Ritter bedient die Gitarre, Gerald Votava den Bass und das Mischpult.

Guido Tartarotti, Kurier

(Gerald Votava ist ein Tausendsassa und hat neben Bass und Mischpult auch das Schlagzeug bedient. Genau so ist es.)

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Ein Songwriter mit der großen, glaubhaften Melancholie Haders, einem Gespür für Popsongs, keiner Angst vor Melodien, aber auch dem Mut, sie ein wenig „unfertig“, manchmal auch ein bissl „holprig“ zu lassen. Und mit „i geh ned miid“ ist Scheiner gleich bei seinem Debüt-Album ein Hit gelungen, der sich einst in die Liste der größten Songs mit gepfiffenem Refrain-Intro einreihen wird. Die Pfeifkunst kommt übrigens von Gerald Votava, die Gitarre von Karl Ritter.

Andreas Russ-Bovelino, Kurier

(Gerald Votava kann zwar ausgesprochen schön pfeifen und hat alle internationalen und intergalaktischen Pfeifwettbewerbe gewonnen – auf der CD wurde dieser Part aber vom Sänger übernommen.)

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Das Wiener Lied wäre nicht das Wiener Lied, wenn der Wiener es nicht schon oft zu Tode geraunzt hätte“, schrieb ein Wiener Musikkritiker zu einem Wienerliedfestival. Das Wienerlied und die diversen Fusionen mit anderen, mehr oder weniger kauzigen Genres, befinden sich gegenwärtig ja durchaus in einem Aufwind. Vielleicht, weil die neuen Hybride mit den Wienerlied-Heiligen Moser, Qualtinger oder Hörbiger gar nicht mehr viel zu tun haben.
Der Scheiner ist auch ein Wiener, der Lieder macht. Aber ist er deshalb ein Wienerlied-Macher? „Jein!“, wäre die Antwort. Es sind halt Lieder von einem Wiener, die ins Dialektale gehen, ja. Lieder, die, ja, von ihrer Grundstimmung her schon irgendwie ins alte Genre Wienerlied passten. Und dann aber auch irgendwie „Nein“ – denn w(iener)einerlich sind sie nicht!
de waund“, das ist des Scheiners innovatives Projekt, sich als musiknarrischer Singer/Songwriter-Poet auf einer Insel, die auf den Namen Wien hört, zu bewegen. Und dazu zieht er seinen besten Zwirn an – das Pop-Rock-Country-Blues-Man-„Gwaund“.

Peter Waldenberger, Ö1